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Das Zusammenspiel von "Zeit" und "Blende"

Fotografie

Schon den ersten Blog-Beitrag zum Thema „Outdoor“-Fotografie hatte ich vorwiegend für Wanderer geschrieben, die mit ihrer kleinen „Hosentaschen-Digicam“ bessere Erinnerungsfotos von unterwegs mit nach Hause bringen wollen. Das ist gut angekommen, und ich habe mich zu einem weiteren Teil entschlossen, der unmittelbar an unser letztes Thema anknüpft.

Rufen wir uns nochmals kurz den optimalen Bildaufbau am Beispiel des Fotos unten in Erinnerung: Wir haben den Bildausschnitt festgelegt (Stativ) und danach unser „Modell“ im Bild platziert.

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Nun fällt uns aber auf dem Foto auch das schön in viele kleine Kaskaden zerfließende Wasser auf.
Wie man dieses Fließen, nämlich über längere Belichtungszeiten, ganz leicht aufs Foto bannt, erkläre ich euch im heutigen Beitrag über

Das Zusammenspiel von „Zeit“ und „Blende“

Halt, hiergeblieben – nicht gleich weglaufen! So schlimm wird das alles gar nicht. Natürlich weiß ich, dass sich Wanderer mit solchen Dingen eigentlich kaum oder gar nicht auseinandersetzen wollen. Schließlich hat man sich dafür eine teure Digicam geleistet, die man nur auf „Auto“ zu stellen braucht, damit sie das alles „von alleine“ kann.

Nun, sie kann es eben doch nicht! Zumindest nicht immer so, wie wir es gerne hätten… Natürlich hat auch unsere kleine Digicam einen eingebauten Belichtungsmesser, und ihr Prozessor verarbeitet dessen Informationen meistens auch zu ganz passablen Bildern. Aber: Woher soll dieser Belichtungsautomat nun im Einzelfall eigentlich wissen, ob er ein Foto eher schnell oder vielleicht besser etwas langsamer belichten soll?

Setzen wir uns daher einmal etwas mit dem Kleinen Einmaleins des Fotografierens auseinander: Schnelle Belichtungszeiten brauchen wir immer dann, wenn auf dem Foto eine Bewegung eingefroren werden soll. Langsamere hingegen, wenn es auf natürliches, stimmungsvolles Licht ankommt (z. B. bei einem Sonnenuntergang). Oder eben auch, wenn Bewegung zerfließen soll – wie das Wasser unseres schönen Wildbachs. Und genau das müssen wir dem Belichtungsautomaten vorher sagen!

Kleiner Grundkurs Belichtung

Dabei ist es natürlich hilfreich, wenn man ein paar Grundkenntnisse über das Zusammenspiel von Zeit und Blende besitzt. Schauen wir uns doch an unserer Kamera einmal das Einstell-Rädchen ihrer Programme an: Neben „Automatik“ finden wir da meist auch noch die Kürzel „A“ und „S“.

„A“ steht für Blenden-Vorwahl mit Zeitautomatik, „S“ für Zeit-Vorwahl mit Blendenautomatik. Bei „A“ geben wir dem Belichtungsautomat eine Blende vor, und er stellt uns dann die dazu passende Zeit ein. Bei „S“ ist es hingegen genau anders herum: Wir geben ihm die Zeit vor und er stellt uns dazu die passende Blende ein.

Aber was bedeutet das denn nun alles – „Zeit“, „Blende“ etc.?

Nun, hier ist eigentlich immer noch alles wie in der guten alten Zeit: Um ein Foto optimal zu belichten, benötigt man eine ganz bestimmte Lichtmenge. Und diese durch das Objektiv auf den Sensor unserer Kamera einfallende Lichtmenge kann man über die Parameter Zeit und Blende regulieren.

Zum besseren Verständnis: Fotografieren wie anno dazumal

Wie das im Detail funktioniert, versteht man wohl am Besten, wenn man sich in Gedanken eine „Camera Obscura“ baut (die übrigens tatsächlich funktioniert!): Man nimmt eine leere Kaffeedose, bohrt in der Mitte des Deckels ein kleines Loch von etwa 1 Millimeter Durchmesser und klebt dieses dann mit Klebeband (oder auch einem Kaugummi) zu. Dann befestigt man – im Dunkeln! – am Dosen-Boden eine lichtempfindliche Fotoplatte (Negativ-Material) und verschließt den Deckel anschließend lichtdicht.

Nach dem Anvisieren eines Motivs (über Kimme und Korn) und dem Fixieren der Dose öffnet man dann nur noch das kleine Loch im Deckel, wodurch nun Licht auf unseren Film fällt und ihn somit belichtet.

Nehmen wir nun  einmal an, wir müssten für ein optimales Ergebnis 30 Minuten lang belichten, dann könnten wir diese Zeit doch eigentlich auch halbieren, indem wir das Loch im Deckel (die Blende) auf das Doppelte vergrößern. Unter diesen Umständen würde dann die erforderliche Lichtmenge nämlich schon in der halben Zeit auf unseren Film fallen! Würde man das Loch hingegen auf die Hälfte verkleinern, dann müsste man für ein optimales Ergebnis eben auch doppelt so lange warten, bis die nötige Menge Licht auf den Film gefallen ist (also 60 Minuten).

Das Ganze in konkreten Zahlen

Und genau nach diesem Prinzip funktioniert auch unsere Digicam. Ihre kleinste Blendenöffnung ist allgemein 11,0 – die Größte 2,8. Dazwischen liegen aber noch drei weitere Stufen, woraus sich fünf volle Blendenwerte ergeben: 2,8 – 4,0 – 5,6 – 8,0 – 11,0. Jeder Blendensprung (von einer Zahl zur nächsten) entspricht einer Verdopplung bzw. Halbierung des Lichtdurchlasses unseres Objektivs – wie bei der Camera Obscura. Indem man also gleichzeitig die Blende halbiert und die Verschlusszeit verdoppelt, lässt sich nun jedes Motiv (bei unverändertem Lichtwert!) jeweils mit fünf verschiedenen Verschlusszeit/Blende-Kombinationen fotografieren.

Bei einer mittleren Belichtungs-Empfehlung unserer Kamera von f 5,6 und 1/125 sec wären also auch noch folgende Kombinationen möglich:

f 4,0 und 1/250 sec;

f 2,8 und 1/500 sec;

f 8,0 und 1/60 sec;

f 11,0 und 1/30 sec.

Somit haben wir bei der Beispielaufnahme also einen Belichtungsspielraum zwischen 1/30 sec und 1/500 sec – den sollten wir aber auch unbedingt nützen, wenn es für das Ergebnis nicht völlig unerheblich ist!

Paradebeispiel „freeze and flow“

Das lässt sich an der Fotoreihe unten gut nachvollziehen: Im Uhrzeigersinn angeordnet sind fünf unterschiedlich belichtete Fotos des gleichen Lichtwertes. Links groß, das beste Ergebnis, mit viel Bewegungsdynamik! Rechts daneben das „schlechteste“ der Serie. Das Wasser ist eingefroren und verleiht dem Bild nur wenig Bewegung. Die untere Reihe vervollständigt dann diese Belichtungsserie „besser werdend“ von rechts nach links:

Die einzelnen Belichtungswerte:

Oben links, f 11,0 – 1/10 sec; oben rechts, f 2,8 – 1/125 sec;

unten links, f 4,0 – 1/15 sec; unten Mitte, f 5,6 – 1/30 sec; unten rechts, f 8,0 – 1/60 sec.

Wie nehmen wir nun aber bei unserer kleinen Digicam überhaupt darauf Einfluss? Ganz einfach:

Zurück zum „A“ neben unserer „Automatik“. „A“ steht für Blenden-Vorwahl mit Zeitautomatik. Irgendwo muss da aber auch noch ein weiteres „Rädchen“ oder eine Möglichkeit sein, über die wir unserer Kamera nun eine Blende vorgeben können, um dann im Display zu sehen, welche Zeit sie sich dafür „holt“.

Wir beginnen mit Blende 11,0 für eine möglichst lange (langsame) Belichtungszeit und mit Blende 2,8, für eine möglichst schnelle (kurze) Belichtungszeit. Und damit können wir nun so lange spielen, bis uns das Foto-Ergebnis wirklich gefällt!

Du wirst sehen, mit nur wenig Übung wird es bald mächtig Spaß bereiten, neben einem perfekten Bildaufbau auch noch die Dynamik einer beabsichtigten Bewegungsunschärfe in Dein Bild zu bringen!

 

Viel Freude damit, euer Rainer

———————————
Gastbeitrag von:
Rainer Haas, Hobby-Fotograf und Naturfan
“Mit der Fotografie kann ich andere an Erlebnissen teilhaben lassen”
http://www.rainerundclaudia.de/

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1 Comment

  • Reply
    Rewolve44
    22. November 2010 at 2:46

    Zuerst einmal die Fotos sind toll geworden und die Erklärung zur Outdoor-Fotografie finde ich echt super.

    Lg,
    Rewolve44

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